St. Petrus Canisius, Aldingen

Auf ein Wort! Petrus Canisius?

Das  kath. Gemeindezentrum in Remseck-Aldingen, bestehend aus dem kath. Kindergarten St. Martin, der kath. Kirche nebst Pfarrbüro und Pfarrhaus  in der Kornwestheimerstrasse 46, wurde nach langwierigem Suchen eines geeigneten Bauplatzes in den Jahren 1961-1967 von dem Stuttgarter Architekten Rudolf Buck  geplant, vom Landratsamt Ludwigsburg nach zähen Verhandlungen genehmigt, von der Stuttgarter Baufirma Ludwig Bauer ab Oktober 1963 gebaut und vom Bischof Dr. Carl Joseph Leiprecht am Sonntag den 1. Mai 1966 feierlich eingeweiht. Anknüpfend an das Konzil 1963 in Rom wurde die Kirche dem ersten deutschen Jesuiten, dem hl. Petrus Canisius  geweiht (geb. 8.Mai 1521, gest. 21.Dez. 1597), der in seiner Zeit ein großer Erneuerer der Kirche war.

Wer war Petrus Canisius?
Petrus Canisius ist unser Kirchenpatron und Namensgeber! Sein Fest: 27. April.

Sein Lebenslauf:

  • geboren: 08. Mai 1521 in Nimwegen; gestorben: 21. Dez. 1597 in Fribourg/Schweiz
  • Studium der Philosophe und Theologie in Köln
  • 1543 erster deutscher Jesuit
  • Universitätslehrer in Bologna, Ingolstadt, Wien.
    In Wien erwarb er sich einen so guten Ruf als Wissenschaftler, Kirchenpolitiker und Seelsorger, dass er zum Bischofsamt gedrängt wurde. Er lehnte jedoch ab.
  • 1555 schrieb er einen 3-bändigen deutschen Katechismus, der bis ins 19. Jahrhundert im Religionsunterricht Verwendung fand.
  • 1556 Ernennung zum 1. Provinzial der deutschen Ordensprovinz der Jesuiten durch Ignatius von Loyola, den er aus Rom kannte.
  • 1557 Religionsgespräch in Worms mit Melanchthon.
  • 1557 Berater von König Ferdinand am Regensburger Reichstag.
  • 1559 -1577 Wirken als Prediger und Kirchenreformator in Prag, Augsburg und München
  • 1562 Teilnahme am Augsburger Reichstag und am Trienter Konzil.
  • 1580 von seinem Ordensoberen nach Fribourg in der Schweiz wegen theologischer Differenzen strafversetzt. Später rehabilitiert und zurückberufen, aber die Fribourger ließen ihn wegen seiner Beliebtheit nicht gehen. Am 21.12.1597 ist er dort gestorben und begraben.
  • 1864 Seligsprechung durch Papst Pius IX.
  • 1897 durch Papst Leo XIII zum 2. Apostel Deutschlands nach Bonifatius erklärt.
  • 1925 durch Papst Pius XI heilig gesprochen und zu einem der 33 Kirchenlehrer ernannt.
  • Schutzpatron der Diözese Innsbruck und ungezählter Kirchen

Was sagt man über diesen Mann?

  • Er war ein Gelehrter und gebildet.
  • Er war Priester und Jesuit.
  • Er lebte in einer Zeit voller Widersprüche und Umwälzungen.
  • Er prangerte die Zustände in der eigenen Kirche an und versuchte, diese zu reformieren.
  • Er war mit den Protestanten, die sich wegen dieser Zustände erhoben hatten, im Gespräch.
  • Er war Seelsorger, Lehrer, Schriftsteller .
  • Er war Gründer und Organisator.
  • Er war Berater und Mitgestalter und hatte Umgang mit den Bekanntesten und Mächtigsten seiner Zeit.
  • Er war offensichtlich beliebt aber auch unbequem.
  • Er war beseelt von einem Auftrag.

Petrus Canisius war ein großer Mann in einer schwierigen Zeit.

"Aldingens Unvollendete" - Die Glocken der St. Petrus Canisius Kirche

In der Beschreibung zur neu erbauten Kirche schrieb Pfarrer Eberhard Kraus im Februar 1967:

"Vom hohen Kirchturm grüßt ins Land hinein ein schmuckes Kreuz, das in dankenswerter Weise die Familie Plessing gestiftet hat. Noch ruft die Gläubigen zum Gottesdienst erst eine Glocke, welche von der Familie Spiller gestiftet wurde. Eine kleine Vertretung der Gemeinde nahm teil am Glockenguss durch die Firma A. Bachert in Heilbronn. Am Palmsonntag 1966 wurde sie feierlich geweiht und zu Ostern erklang zum erstenmal ihr heller Ton über Aldingen. Sie ist auf den Ton e'' gestimmt. Von Heimatvertriebenen gestiftet, soll sie an die alte Heimat erinnern. Sie trägt darum die Inschrift: "Zum Gedenken an alle Heimatvertriebenen und Opfer ungerechter Gewalt." Das ganze Geläute ist auf fünf Glocken angelegt in den Tönen e' - gis' - h' cis'' - e''. Dies ist das sogenannte Salve-Regina-Motiv."

Dazu muss man wissen, dass Glockengeläute vom Klang her nach Motiven, also nach festgelegten Klangfolgen, gegossen werden. Man hat ca. 120 dieser Läutemotive gezählt. Die weitaus häufigsten Motive sind das "Salve Regina" und das "Te Deum".

Das Salve-Regina-Motiv ist nach den Anfangstönen der gleichnamigen marianischen Antiphon benannt und möglicherweise schon vor über tausend Jahren auf der Insel Reichenau entstanden. Dieses Läutemotiv wird manchmal auch noch nach anderen Liedern benannt, die aus dem gleichen Tonvorrat schöpfen, wie z.B. "Wachet auf, GL Nr. 110; Wie schön leuchtet der Morgenstern, GL Nr. 554; Singen wir mit Fröhlichkeit, GL Nr. 135; Gottheit tief verborgen GL Nr. 546.

Zur Vervollständigung des Geläutes auf fünf Glocken kam es übrigens bis heute nicht mehr. Im Jahr 1967 wurden zwar noch die Auferstehungsglocke und Ave-Glocke angeschafft. Es fehlen jedoch bis heute die beiden tiefen Glocken e' und gis'. Im Glockenstuhl wurde vorsorglich Platz ausgespart, so dass die Ergänzung jederzeit leicht möglich wäre.

Übersicht der vorhandenen Glocken:

Nr.

Name der Glocke

Schlagton

Vorderseite

Rückseite

Durchmesser

1

Glocke fehlt noch

e'

---

---

---

2

Glocke fehlt noch

gis'

---

---

---

3

Ave-Glocke

h'

Gruss Dir, o Herrin, Mutter der Barmherzigkeit.

A. Bachert
Heilbronn
1967

84 cm

4

Auferstehungsglocke

cis''

Ich bin die Auferstehung und das Leben Joh. 11, 25

A. Bachert
Heilbronn
1967

74 cm

5

Heimatvertriebenenglocke

e''

Zum Gedenken an alle Heimatvertriebenen und Opfer ungerechter Gewalt.

Gestiftet von Familie Rudolf Spiller Aldingen 1966

64 cm

Dieses Fehlen von zwei Glocken erschien wohl auch deshalb hinnehmbar, weil die vorhandenen drei Glocken auch bereits ein bescheidenes Läutemotiv ergeben, nämlich das sogenannte Gloria-Motiv. Die Schlagtöne h1 – cis2 – e2 führen zur Motivbildung: große Sekunde, kleine Terz. Das Gloria-Motiv wird musikalisch auch als Sekund-Terz-Quart-Akkord bezeichnet. Glocke 3 und Glocke 4 ergeben eine große Sekunde, Glocke 4 und Glocke 5 eine Mollterz, Glocke 3 und Glocke 5 eine Quarte.

Die Tonangaben basieren übrigens auf der Normalstimmung von a' = 435 Hertz und nicht - wie bei sonstigen Musikinstrumenten - auf a' = 440 Hertz. Diese alte Stimmung wird für das Glockenwesen bis heute noch im ganzen deutschsprachigen Raum genutzt. Damit wird dem immensen Reichtum an historischen Glocken Reverenz erwiesen und ein heilloses Durcheinander vermieden.

Noch ein weiteres interessantes Phänomen: Der sogenannte Schlagton, welcher die Tonhöhe einer Glocke in einem Geläute bestimmt, kann übrigens physikalisch nicht ermittelt werden. Er bildet sich nur als Klangeindruck in unserem Ohr. Es handelt sich also nicht um einen realen Ton, sondern um eine subjektive Tonempfindung.

Sämtliche drei Aldinger Glocken weisen eine bescheidene Glockenzier auf: (vgl. Fotos)

 - Ave-Glocke                                Maria mit dem Jesuskind

 - Auferstehungsglocke                   ein schlichtes Kreuz

 - Heimatvertriebenenglocke           Jesus am Kreuz mit Maria und Johannes.

Alle Inschriften sind durchgehend in Großbuchstaben gehalten  im Stil einer Capitalis Monumentalis.

Die Glockengießerei A. Bachert in Heilbronn entstand zwar erst 1946, jedoch gründete bereits ein Kaspar Bachert im Jahr 1773 im badischen Dallau eine Gießerei. Die Bachert'sche Gießtradition wird bis heute in der Karlsruher Glockengießerei Bachert weitergeführt. Aus ihr stammen zahlreiche bedeutende Geläute in Deutschland, unter anderem die "Olympiaglocke" für die Olympischen Spiele 1972,  die "Jahrtausendglocke" für den Hamburger "Michel" und das erneuerte Geläute der Dresdner Frauenkirche.

In einer Handreichung des Beratungsausschusses für das Deutsche Glockenwesen (www.glocken-online.de) heißt es: "Glockenklang ist über seine liturgische Aufgabe hinaus ein Beispiel für das zweckfrei Schöne, welches das Leben vor dem Zwang zum ausschließlich Nützlichen bewahrt." In diesem Sinne möge die Freude am Klang unserer Glocken noch lange währen.

Klaus Tropf

Korbiniansapfelbaum "KZ 3"

Dieser Apfelbaum wurde am 21. September 2013 von der Kirchengemeinde St. Petrus Canisius unter freundlicher Mithilfe des Obst- und Gartenbauvereins Aldingen neben unserer Kirche  gepflanzt. Es handelt sich um einen Hochstamm-Veredlungsreiser des sogenannten Korbiniansapfels.

Der Name der Sorte geht zurück auf ihren Züchter, den „bayrischen Apfelpfarrer“ Korbinian Aigner, geboren am 11. Mai 1885 in Hohenpolding, gestorben am 5. Oktober 1966 in Freising.

Der Bauernsohn war das älteste von 11 Geschwistern. Entgegen dem Willen der Eltern verzichtete er auf das Hoferbe und entschied sich für den Priesterberuf. Von früher Jugend an galt dem Obstbau seine ganze Liebe und sein Zeichentalent befähigte ihn, naturgetreu zu malen. Bis heute sind von ihm ca. 1.000 farbige und sehr detailgetreue Zeichnungen von verschiedensten Apfelsorten erhalten.

Schon 1923 ging er auf offene Konfrontation gegenüber Hitler und dem Nationalsozialismus. In seinen Predigten sprach er offen die wachsende Bedrohung an und erregte Anstoß mit vielen Äußerungen und Einzelaktionen (Nichthissen der Hakenkreuzfahne, Verweigern des Glockenläutens für weltliche Propagandazwecke etc.). Ab 1937 war er Pfarrer von Hohenbercha im Landkreis Freising. Bei seiner Gemeinde genoss er hohes Ansehen. Mit seiner Leidenschaft für die Apfelkunde gelang es ihm insbesondere die Jugend zu begeistern.

Nach dem missglückten Attentatsversuch von Georg Elsner im Münchner Bürgerbräukeller machte Pfarrer Aigner während des Religionsunterrichts in der Schule eine regimekritische Äußerung. Er wurde daraufhin denunziert und kam wegen „fortwährender Beleidigung des Führers“ für 7 Monate ins Zuchthaus. Danach wurde er jedoch nicht in die Freiheit entlassen sondern kam ins KZ Sachsenhausen, wo er fast an einer Lungenentzündung gestorben wäre und wurde anschließend ab Oktober 1941im KZ Dachau eingesperrt. Dort war er unter der Häftlingsnummer 27.788 im sogenannten Priester- oder Pfarrerblock untergebracht.

Als 1942 zeitweilig Paketempfang erlaubt war, sammelte und sortierte er Apfelkerne. Auf einem spärlichen Grünstreifen zwischen den Baracken zog er dann aus diesen Kernen heimlich verschiedene Apfel-Pflänzchen. Es gelang ihm, einige davon mit Hilfe einer Postulantin der Münchner Klostergemeinschaft der Armen Schulschwestern aus dem Lager herauszuschmuggeln.

Kurz vor Kriegsende wollte die SS das KZ Dachau vor den heranrückenden Alliierten evakuieren. Korbinian Aigner musste mit 10.000 entkräfteten Häftlingen zu Fuß den Weg in Richtung Südtirol antreten. Auf diesem berüchtigten Leidenszug gelang ihm am 28. April 1945 in Aufkirchen am Starnberger See die Flucht. Der Pfarrer kehrte zu seiner Gemeinde nach Hohenbercha zurück. Dort widmete er sich den herausgeschmuggelten Sämlingen und nannte die vier erfolgversprechendsten KZ 1-4. Am besten entwickelte sich  sich schließlich die Sämlingsauslese ‚KZ 3’, die anderen verwarf er.

Der Baum hat einen kräftigen Wuchs mit breiter Krone, ist anspruchslos und robust. Gleichzeitig bringt er einen hochwertigen, schmackhaften Tafel- und Wirtschaftsapfel hervor, so dass es nicht verwundert, dass sich diese Apfelsorte schnell in den Gärten der Freisinger Gegend durchsetzte. Die gut lagerfähigen Äpfel sind mittelgroß, goldgelb mit grünlich weißem Fruchtfleisch und haben ein harmonisches Zucker-Säure-Verhältnis.

Die Baumpflanzung erfolgte unter dem Motto „Von Glaubenszeugen Glauben lernen“ als Beitrag unserer Kirchengemeinde zu dem von Papst Benedikt XVI. am 16. Oktober 2012 ausgerufenen „Jahr des Glaubens“.

Klaus Tropf